Herren I: Der 120-Minuten Wahnsinn zum „Handball-Wunder von Seulberg“

Was für ein gigantisches Saisonende haben sich die Seulberger Herren beschert. Dass eine Relegation 120 Minuten hat, musste die zweite Mannschaft der TG Eltville im Rückspiel an der Landwehrstrasse schmerzhaft feststellen. Dabei hatte alles so gar nicht nach einem Happy End für die Rot-Weißen ausgesehen.

Am Freitag, den 10.05.2019, stand das Relegationshinspiel in der „Hölle am Wiesweg“ bevor und der SV Seulberg reiste mit der Mannschaft und etlichen Fans im Bus nach Eltville. Trainerin Carola Schröder musste an diesem Abend auf ihren Abwehrchef Tobs Bergerfurth und auf den rechten Rückraum  Matze Witzke verzichten, die beide verhindert waren. Wie befürchtet hatten die Gastgeber ihr Team mit sechs Bezirksoberliga-Spielern der ersten Mannschaft verstärkt und so war klar, dass dem Gegner nur in der Abwehr beizukommen war.

Doch gleich zu Beginn an legten die Löwen gleich drei Tore vor, bevor der erste Seulberger Treffer durch Maurice Zeuner in den Maschen zappelte (3-1/6.). Immer wieder nutzten die Gastgeber die technischen Fehler der Gäste aus und kamen mit schnellen Gegenstößen zum Torerfolg. Bis zur Mitte des ersten Durchgangs sah alles noch sehr gut aus und der SVS konnte sogar auf ein Tor verkürzen (6-5/17.). Aber jetzt nahmen die Fehler zu und die Seulberger Schützen scheiterten reihenweise am starken Torwart der TG Eltville II. Anstatt sich an der gut positionierten Gäste-Abwehr die Zähne auszubeißen zog die TG das Tempo an und überrollte den SV Seulberg einfach mit Erster und Zweiter Welle (13-6/26.). Ein Trauerspiel für die mitgereisten Fans. Mit 15:8 ging`s dann endlich in die Kabine.

Die Zeiger standen auf Auswärtsklatsche und Trainerin Carola versuchte ihre Mannschaft wieder auf die Reihe zu bringen. Zeit im zweiten Durchgang die Fehler abzustellen und konzentriert den Abschluss zu suchen.

Doch Nichts wollte den Seulbergern heute gelingen und die Hausherren spielten immer wieder die beiden Außen und ihre Kreisläufer frei. So war es auch nicht verwunderlich, dass die  zwischenzeitliche Tordifferenz auf 10 Zähler angewachsen war (20-10/39.). Ab diesem Zeitpunkt kamen die Gäste dieser Differenz nicht mehr näher, konnten aber verhindern, dass der Abstand noch grösser wurde. Nach 60 Minuten endete die Begegnung dann auch verdient 31-21 für die Löwen.

In der Kabine des SVS war es recht leise. Mit 0-10 ins Rückspiel zu starten – was für eine Hypothek! Die Chance auf den Aufstieg  - so gut wie vergeigt. Doch Abteilungsleiter Lars Krinke platzte herein „Mund abputzen, am Sonntag alles besser machen und jetzt geht’s erst mal nach Hause und in der Halle wird der Frust weggespült. Noch ist hier mal gar nichts verloren und keiner muss den Kopf hängen lassen!“.

Mannschaft: Chris Mai, Tom Becht(beide Tor), Michael Multinu (4/2), Björn Fuchs (4), Matthias Krätzel (3), Stefan Pfeiffer (3), Janis Hostert (2), Florian Hennig (2), Marcel Patzer (2), Maurice Zeuner (1), Bernd Steffan, Johannes Schröder, Robin Hostert, Jan Dammbach

Am Sonntag, den 12.05., stand dann das Rückspiel zuhause an der Landwehrstrasse an. Alle Seulberger Spieler hochmotiviert und willens heute von Anfang an die von Trainerin Carola Schröder geforderten 120 Prozent zu gehen. Außerdem war der SV Seulberg die komplette Saison zuhause unbesiegt  und genau das sollte auch so bleiben. Der SVS heute auch komplett mit Tobs Bergerfurth und Matze Witzke.

So begann der Handball-Krimi dann auch vor einer stattlichen Zuschauerkulisse, die lautstark klar machte, dass der „Achte Mann“ mit auf der Platte war.

Nach etwas mehr als zwei Minuten versenkte dann Matze Witzke den ersten Ball für die Seulberger (1-0/3.). Jetzt ging es erst einmal im Gleichschritt weiter (3-3/8.). Nach der 4-3 Führung via Strafwurf durch den sicheren Siebenmeter-Schützen Bernd Steffan stellten die Hausherren nun ein wahres Abwehrbollwerk in den Weg der Gäste und ließen es richtig krachen.

5-3, 6-3, 7-3, 8-3, 9-3 klingelte es im Kasten der TG Eltville II, deren Trainer nichts anderes übrig blieb als eine Auszeit zu nehmen (14.). Doch auch diese Unterbrechung brachte den SVS nicht aus dem Tritt. Bis zum Pausenpfiff schafften es die Löwen nur noch drei Mal die starke Deckung zu durchbrechen, während das Schröder-Team die Führung ausbaute (15-6/30.). Nur noch ein Treffer fehlte um den Rückstand vom Freitag ungeschehen zu machen und so langsam machte sich eine vage Hoffnung in der Halle breit, das „Wunder von Seulberg“ doch zu schaffen.

Eine Minute nach dem Wiederanpfiff dann der Treffer durch Johannes Schröder zum 16-6 (31.). Doch auch die Gäste legten einen Zahn zu. In der 38. Minute waren die Seulberger wieder „nur“ acht Zähler vorn, dann wieder neun und wieder acht. Zum Auswachsen. Tom Becht im Seulberger Kasten fischte etliche freie Würfe und Siebenmeter weg,  während  Janis Hostert auf der Vorgezogenen-Position wie ein Berserker ackerte. Dort konnte er immer wieder Bälle abfangen, die die Seulberger aber nicht im Gästegehäuse unterbringen konnten.

So langsam begann dem Schröder-Team jetzt die Zeit wie Sand durch die Hände zu rinnen. Matze Witzke versenkte die Kugel dann endlich wieder zur 10 Tore-Führung (26-16/52.), während Eltville II den Anschlusstreffer einnetzte. Jetzt gab es auch noch eine Zwei-Minuten Zeitstrafe gegen Rückraum Maurice Zeuner, doch die spielten die Hausherren souverän herunter und Matze Witzke vollstreckte dieses Mal zur 11-Tore Führung in Unterzahl (28-17/56.). Mittlerweile hatte es alle Fans aus den Sitzen gerissen, die ihr Team immer weiter anspornten. Noch einmal schafften es die Gäste wieder auf zehn Tore zu verkürzen (28-18/57.), doch zwei abgefangene Bälle später, die Tobs Bergerfurth und Robin Hostert verwandelten, war die magische Grenze von zwölf Toren Vorsprung durchbrochen und nur noch 2:32 Minuten auf der Uhr. Eine Minute vor Schluss dann noch ein Anschlusstreffer von Eltville II und Robin Hostert erlöste alle mit dem Treffer zum 31-19 Endstand. Schlusspfiff und Schlusssirene gingen einfach im Seulberger Jubel unter. Unfassbar! Einen zehn Tore Rückstand gedreht. Zuhause nicht zu bezwingen. AUFSTIEG!!!!

Eine glückliche Carola Schröder nach dem Spiel: „Es gab das Wunder von Bern – jetzt gibt es auch das Wunder von Seulberg. Eine wirklich starke Mannschaftsleistung. Alle haben toll gekämpft, stark verteidigt, schnelle Gegenstöße gemacht und all das umgesetzt, was am Freitag in Eltville nicht geklappt hat. Wir haben uns damit mit dem Aufstieg in die B-Klasse belohnt“. Und mit diesen Worten ging es dann direkt unter die Bierdusche ihrer Jungs und hinein in eine rauschende rot-weiße Partynacht.

Mannschaft: Chris Mai, Tom Becht(beide Tor), Bernd Steffan (6/5), Tobs Bergerfurth (5), Matze Witzke (5), Robin Hostert (3), Bjorn Fuchs (3), Maurice Zeuner (2), Matze Krätzel (2), Johannes Schröder (2), Janis Hostert (1), Jan Dammbach (1), Florian Hennig (1), Stefan Pfeiffer